Zur Geschichte der Volkshochschule im Altenburger Land

Der dänische Historiker und Theologe Nikolai Frederik Severin Grundtvig gilt als Begründer der Volkshochschule und hat nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Volkshochschulen in Deutschland. Die Arbeit der Arbeiter- und Handwerker-Bildungsvereine, die Universitätsausdehnungsbewegung und das öffentliche Vortragswesen sind weitere Vorläufer der VHS.

Am 25.02.1919 wird der Verband „Volkshochschule Thüringen“ in Jena gegründet. Überall im Land sollen Volkshochschulen geschaffen werden. Anfang September 1919 bilden fünf prominente Altenburger, darunter der Bürgermeister Karl Schumacher, einen Ausschuss, um die Gründung einer Volkshochschule in Altenburg vorzubereiten. In Schmölln wird am 05.09.1919 ein Arbeitsausschuss zur Gründung einer Volkshochschule gegründet.

Am 17.10.1919 nimmt die Volkshochschule Schmölln ihre Arbeit auf. Erster Leiter ist Rudolf Seyfarth. Den Eröffnungsvortrag hält die Thüringer Landtagsabgeordnete Marie Schulz aus Gera zum Thema „Goethes Faust im Lichte unserer Zeit“. Während der Weimarer Republik führt die Volkshochschule Schmölln fortlaufende, acht- bis zehnwöchige Vortragsreihen durch und bietet verschiedene Arbeitsgemeinschaften an.

Der feierlichen Eröffnungsveranstaltung der Volkshochschule Altenburg am 02.11.1919 in der Aula des Karolinums wohnen mehr als 500 Bürger bei. Die erste Geschäftsstelle der Volkshochschule Altenburg öffnet in der Brüdergasse 6. Über 1000 Erwachsene schreiben sich im ersten Trisemester in die Lehrgänge ein, die in der Fortbildungsschule (altes Karolinum) und im neuen Karolinum stattfinden. Den Hörern werden Vorträge und Arbeitsgemeinschaften zu Themen wie Philosophie, Religion, Geschichte, Geologie, Verfassungslehre, Volkswirtschaftslehre, Gesundheitslehre, Sprachen und Naturwissenschaften angeboten.

Der Boom der Anfangsjahre wird zunehmend gedämpft durch wechselnde politische Konstellationen, Arbeitslosigkeit, Inflation und Krise. Bereits 1930/31 gründen Anhänger der völkischen Bewegung in Altenburg und Schmölln sogenannte „Deutsche Heimatschulen“. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wird das Volkshochschulwesen zentralisiert und als „Deutsches Volksbildungswerk“ der NSDAP unterstellt. Im September 1933 stellt der Verband „Volkshochschule Thüringen“ seine Tätigkeit ein. In Altenburg entsteht mit Hilfe des Deutschen Volksbildungswerkes eine sogenannte Volksbildungsstätte, die der Bevölkerung nationalsozialistisches Gedankengut näherbringen soll.

Am 14.11.1945 wird die Volkshochschule Altenburg unter Leitung von Dr. Karl Voss neu gegründet. Altenburg hat damit die erste neue Volkshochschule in Thüringen, noch bevor im Januar 1946 die SMAD den Befehl Nr. 22 erlässt, der die Neugründung von Volkshochschulen ermöglicht. Bis 1953 ist Schmölln eine Außenstelle der Volkshochschule Altenburg. Im ersten Trisemester 1945 schreiben sich 1117 Hörer in die Vorlesungen und Kurse ein. Das Angebot der Volkshochschule ist anfangs in zwei Bereiche gegliedert:

  1. Lebensertüchtigung: Deutsch, Englisch, Russisch, Französisch, Spanisch, Naturwissenschaften, Recht, medizinische Fragen, Handelswissenschaften, Hauswirtschaft
  2. Lebenserhöhung: Vorlesungen zu Kunst, Musik, Literatur, Geschichte

Ab Januar 1947 sind Vorstudienkurse zur Erlangung des Abiturs im Angebot. Für Neulehrer werden Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt. Im Oktober 1948 wird die Lindenau-Museumsschule wiedereröffnet, organisatorisch und verwaltungstechnisch an die Volkshochschule angeschlossen. Am 24.01.1949 öffnet die Volks-Musikschule in Altenburg als erste ihrer Art in Thüringen. Im April 1950 wird Dr. Karl Voss im Zusammenhang mit der Bildung der Widerstandsgruppe um Siegfried Flack am Friedrichgymnasium unter verleumderischen Vorwürfen aus dem Schuldienst entlassen, verliert seine Stelle als Stadtrat und als Leiter der Volkshochschule.

In Folge der Gründung der DDR kommt es zu Änderungen im Bildungskonzept: Die Volkshochschule ist aufgefordert, ihre Arbeit mit der Arbeit der Betriebe, der Maschinen-Traktoren-Stationen und der gesellschaftlichen Organisationen zu verbinden. Als „Abendoberschule für die Werktätigen“ besteht die Hauptaufgabe im Nachholen von Schulabschlüssen, insbesondere des auf dem ersten Bildungsweg nur sehr begrenzt erreichbaren Abiturs. Erst ab den 1970er Jahren werden wieder zunehmend allgemeinbildende Kurse in Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Kunst und Kultur angeboten.

Im Sommer 1950 wird die Altenburger Volkshochschule dem Kreis Altenburg unterstellt, die Geschäftsstelle im Rathaus wird verlagert in das Gebäude Markt 10 (heute Commerzbank). Im Frühjahr 1953 erfolgt der Umzug der Geschäftsstelle in das Haus Markt/Ecke Weibermarkt – für 32 Jahre das Domizil der Volkshochschule. Die Lindenau-Zeichenschule schließt (bis 1963) und ebenso die Volksmusikschule (bis 1954). Im Zuge der Verwaltungsreform der DDR wird am 03.02.1953 in Schmölln wieder eine eigenständige Volkshochschule eingerichtet.

Im Kreis Altenburg werden Außenstellen im Kreisgebiet angesiedelt (z.B. in Lucka, Meuselwitz und Posa), die aber oft nur kurze Zeit arbeiten. Sogenannte Komplexlehrgänge zum Abschluss der 8. und 10. Klassen bilden einen Schwerpunkt der Arbeit. Ab 1962 finden eine Vielzahl von Qualifizierungsmaßnahmen auf beruflichem Gebiet für volkseigene Betriebe, Genossenschaften und Staatsorgane statt. Abiturvorbereitungslehrgänge werden verstärkt angeboten. Maschineschreiben und Stenographie sind viel gefragt. 1983 erfolgt der Umzug der Volkshochschule Altenburg in die Johannisstraße 18 (damals Moskauer Straße 44). Lehrgänge für Sekretärinnen, Industriekaufleute, Kraftfahrer oder Heizer u.a. werden durchgeführt.

Im Frühjahr 1990 wurden beide Volkshochschulen Mitglied des Sächsischen Volkshochschulverbandes. Durch die Neubildung der Länder wird im Herbst 1990 der Wechsel in den Thüringer Verband vollzogen. Zum 01.01.1991 werden beide Volkshochschulen kommunalisiert. Seit 1992 ist das Thüringer Erwachsenenbildungsgesetzt rechtliche Grundlage der Arbeit. Das Bildungsangebot wird neu gegliedert und nach markt- und nachfrageorientierten Strukturen entwickelt, Personal wird abgebaut. Im Angebot sind viele Kurse zu Rechts-, Steuer- und Versicherungsfragen, Existenzgründung, Buchführung und Computerkenntnissen. 1995 erfolgt der Umzug der Geschäftsstelle der Volkshochschule Altenburg in die Schmöllnsche Vorstadt 12.

1997 fusionieren die Volkshochschulen Altenburg und Schmölln zur Volkshochschule Altenburger Land. 2002 erfolgt der Umzug der Geschäftsstelle Altenburg in das alte Friedrichsgymnasium (später Neubauerschule und Friedrichgymnasium Haus II) am Hospitalplatz 6. 2005 zieht die Geschäftsstelle Schmölln in die frisch sanierte, ehemalige Pfeifersche Schuhfabrik in der Karl-Liebknecht-Straße 2/4.

Im Jahr 2019 feiert die Volkshochschule Altenburger Land gemeinsam mit den Volkshochschulen in ganz Deutschland ihren 100. Geburtstag.

Der erste Vorstand der Volkshochschule Altenburg (1919)

Fritz Staub, Lehrer: Schriftleiter und Vorsitzender

Paul Stieghahn, Oberlehrer: Schriftführer und technischer Leiter

Richard Seyffarth, Schulrat: Kassierer

Dr. Konrad Burger, Gymnasialdirektor

Elisabeth Jasper, Lehrerin

Max Kunath, Gütervorsteher

Walter Metheus, Hilfsarbeiter am Ministerium

Karl Schuhmacher, Bürgermeister der Stadt Altenburg

Das Lehrangebot im Jahr 1919

Die abgebildeten Ausschnitte aus dem ersten Lehrprogramm der Volkshochschule Altenburg sind dem "Arbeitsplan vom 2. November bis 13. Dezember 1919" entnommen, den die Volkshochschule im Herbst 1919 veröffentlichte:

Die Leiter der Volkshochschulen im Altenburger Land (seit 1945)

Volkshochschule Altenburg

1945: Dr. Karl Voß
1950: Günther Uhlemann
1952: Fritz-Ulrich Schelowsky
1967: Karl Gawlik
1976: Rudolph Körner
1987: Fritz Schießl
1991: Manfred Lehmann

Volkshochschule Schmölln

1953: Fritz Klingsporn
1954: Heinz Heinrich
1958: Herbert Böttcher
1981: Waltraud Schlaaf (kommissarisch)
1982: Alfred Dworatzek
1990: Waltraud Schlaaf

Volkshochschule Altenburger Land

1997: Waltraud Schlaaf
2001: Gudrun Pfeiffer