Blog: "Akademie in der Aula"

Herzlich Willkommen auf unserem Blog zu unserer im September 2019 gestartete Vortragsreihe "Akademie in der Aula". Jeden ersten Montag im Monat begrüßen wir Gäste aus Wissenschaft, Journalismus und Literatur in der altehrwürdigen Aula unserer Volkshochschule in Altenburg zu einem Vortrag zu Themen aus Politik, Gesellschaft und Zeitgeschichte mit anschließender Diskussion. Hier dokumentieren wir alle bislang gehaltenen Vorträge.
 


FRÜHJAHRSSEMESTER 2020


6. Juli 2020: Prof. Dr. Hubertus Buchstein

Nach dreimonatiger, durch die Corona-Pandemie verursachte Zwangspause konnten wir am 6. Juli 2020 die "Akademie in der Aula" mit dem Politikwissenschaftler Hubertus Buchstein von der Universität Greifswald wiedereröffnen. Thema seines Vortrages: "Demokratie und Demokratiereform". Nachdem Buchstein zunächst den Begriff der Demokratie definiert hatte, führte er aus, dass das Demokratieprinzip im modernen Verfassungsstaat parallel zu anderen Prinzipien steht, insbesondere dem Rechtsstaats- und dem Sozialstaatsprinzip. Daraus ergäbe sich jedoch nicht nur eine Konkurrenz, sondern auch eine wechselseitige Ermöglichung. Daran anschließend diskutierte Buchstein eine Reihe von Funktionsproblemen der Demokratie wie etwa die Schwierigkeiten, Langfristprobleme wie den Klimawandel erfolgreich zu bearbeiten oder die Abhängigkeit von einer stabilen demokratischen (Bürger-)Kultur. Danach wurden einige Ideen für eine Reform der bundesrepublikanischen Demokratie vorgestellt, die Buchstein insbesondere am Beispiel der seit Jahren dringend notwendigen, aber vom Bundestag immer wieder blockierten Überarbeitung des Wahlrechts illustrierte. Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine intensive Diskussion mit den etwa 20 Besucher*innen des Vortrages. Dabei kamen nicht nur verschiedene Frustrationserfahrungen mit der politischen Elite oder mit der Kommunalverwaltung zur Sprache, sondern es wurde auch diskutiert, welche Möglichkeiten die einzelnen Bürger*innen haben, politische Entscheidungen zu beeinflussen.


2. März 2020: Dr. Matthias Quent

Der bekannte Rechtsextremisforscher und Soziologe Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena war zum Auftakt des Frühjahrssemesters 2020 in der "Akademie in der Aula" zu Gast. In seinem Vortrag behandelte er das Thema seines gleichnamigen Buches "Deutschland rechts außen. Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können." Quent legte dar, was unter Rechtsextremismus bzw. Rechtsradikalismus zu verstehen ist, welche Formen er annehmen kann, wie verbreitet er in der Bundesrepublik Deutschland ist und worin seine Gefahren für die Demokratie bestehen. Dabei ging Quent auch auf das (scheinbare) Paradox ein, dass die Verbreitung rechtsradikaler Einstellungen in der Bevölkerung seit Jahren rückläufig ist, das Auftreten rechtsradikaler Handlungen und Aktionen in den vergangenen Jahren aber wieder zugenommen hat. In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) und der Einfluss der sogenannten "Normalisierung" rechtspopulistischen und rechtsradikalen Denkens in öffentlichen Diskursen thematisiert. In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere darüber debattiert, was die demokratischen Kräfte – und jeder einzelne Bürger – gegen das weitere Erstarken des Rechtsradikalismus tun können.


HERBSTSEMESTER 2019/20


3. Februar 2020: Tanja Brandes und Markus Decker

Zum Abschluss des Herbstsemesters 2019/20 konnten wir am 3. Februar 2020 die Berliner Journalisten Tanja Brandes (Berliner Zeitung) und Markus Decker (Redaktionsnetzwerk Deutschland) in der "Akademie in der Aula" begrüßen. In der in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen angebotenen Veranstaltung stellten sie ihr bereits in der 2. Auflage erschienenes Buch "Ostfrauen verändern die Republik" (2019) vor. Darin porträtieren die beiden Autoren prominente und öffentlich weniger bekannte ostdeutsche Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Brandes und Decker betrachten vor allem die vergangenen drei Jahrzehnte, werfen aber auch einen Blick zurück in die Zeit vor 1989 – auf die Herausforderungen und Chancen für Frauen in Ostdeutschland vor und nach der Wende. In Altenburg lasen die Autoren drei ausgewählte Porträts, in denen (berufs-)biographische Brüche, Arbeitslosigkeit und Wegzug, aber auch Neuanfänge und erfolgreiche Laufbahnen beispielhaft vorgestellt wurden. Danach entspann sich eine intensive Diskussion mit dem überwiegend weiblichen Publikum. Eigene Erfahrungen als "Ostfrauen" kamen ebenso zu Wort wie die Frage, ob für die beiden Autoren ihre westdeutsche Herkunft eher ein Problem oder ein Vorteil beim Schreiben des Buches war.


13. Januar 2020: Dr. Frank Britsche

Am 13. Januar 2020 besuchte der Historiker Frank Britsche von der Universität Leipzig die „Akademie in der Aula“. Thema seines Vortrages: „Aufbruch zur Demokratie vor 30 Jahren – heutiges Erinnern an ‚1989‘“. Mit einem Fokus auf die Stadt Leipzig ging Britsche der Frage nach, wie die Ereignisse des „Wendeherbsts“ seither öffentlich erinnert werden. Nach einer kurzen Darstellung der Montagsdemonstration vom 9. Oktober zeigte Frank Britsche auf, wie diese Demonstration bereits im November/Dezember 1989 als „Tag der Entscheidung“ wahrgenommenen wurde. Er machte zudem darauf aufmerksam, dass der heute geläufige Begriff der „Friedlichen Revolution“ sich erst im Laufe der 1990er Jahre als Bezeichnung der Ereignisse von 1989 durchsetzte und damit eben auch eine bestimmte Interpretation für das öffentliche Erinnern vorherrschend wurde. Sodann zeichnete Britsche nach, wie die Stadt Leipzig über verschiedene Stationen – Bürgerfeste in den 1990er Jahren, die „Rede zur Demokratie“ seit 2001 und das schließlich seit 2009 gefeierte (und in jüngster Zeit zunehmend umstrittene) „Lichtfest“ – den 9. Oktober als zentralen Festtag des Erinnerns erfolgreich etablierte. In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere drei Fragen kontrovers debattiert: Was soll eigentlich erinnert werden? Wer entscheidet, was öffentlich erinnert wird? Und: Wie soll Geschichte inszeniert werden?


6. Januar 2020: Dr. Norbert Aust

Zum Beginn des Jahres 2020 war am 6. Januar Norbert Aust vom Informationsnetzwerk Homöopathie in der „Akademie in der Aula“ zu Gast. Unter den Stichworten „Lehre, Überzeugung, Evidenz“ gab er einen kritischen Einblick in die Lehre der Homöopathie. So stellte er dar, wie homöopathische Arzneimittel hergestellt werden und dass diese aufgrund der starken Verdünnung (der sogenannten „Potenzierung“) zumeist keinen nachweisbaren Wirkstoff enthalten. Anschließend zeigte er den historischen Entstehungszusammenhang der Homöopathie auf und legte dar, dass diese Lehre zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem deswegen erfolgreich war, weil sie im Gegensatz zu den Standardmethoden der damaligen Medizin keine zusätzlichen Schäden bei den Patienten verursachte. Schließlich führte Norbert Aust aus, dass es keinerlei wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel gibt. Als gefährlich stufte er die Homöopathie schließlich ein, wenn sie zur Behandlung ernsthafter Erkrankungen wie bspw. Krebs und AIDS oder als Ersatz für Impfungen eingesetzt wird. In der anschließenden Diskussion stellte sich Norbert Aust den zahlreichen kritischen Fragen des Publikums, in denen zum Teil sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Homöopathie sichtbar wurden.


2. Dezember 2019: Harald Mohr

Der Erfurter Fernsehjournalist Harald Mohr besuchte am 2. Dezember 2019 die "Akademie in der Aula". In einem sehr diskursiv gestalteten Vortrag ging er der Frage nach: "Kann Demokratie auf Journalismus verzichten?" Anhand seiner eigenen Tätigkeit für das Thüringen Journal des Mitteldeutschen Rundfunks gab Mohr einen umfassenden Einblick in die Arbeit von Fernsehjournalisten, die Entstehung journalistischer TV-Beiträge, die Kosten der journalistischen Arbeit und die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Zudem ging er auf die Mediennutzung in Deutschland ein, bei der trotz der starken Zunahme von Online-Medien wie Nachrichtenwebsites und "Social Media" das Fernsehen weiterhin das am meisten genutzte Massenmedium ist. In einer sehr intensiven Diskussion mit dem Publikum wurden zahlreiche Fragen besprochen. Unter anderem wurde die Bedeutung des regionalen und lokalen Fernsehens für die Demokratie diskutiert sowie eingehend auf die Krise des Printjournalismus eingegangen. So erläuterte Harald Mohr die immer schwierigeren Arbeitsbedingungen lokaler Zeitungsjournalisten, die naturgemäß erhebliche negative Folgen auf die Qualität ihrer Arbeit hätten. Angesichts der weiterhin sinkenden Auflagen bei gleichzeitig steigenden Vertriebskosten wagte er schließlich die Prognose, dass es innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einem "Crash" zahlreicher Printmedien in Deutschland kommen werde.


4. November 2019: Dr. Andreas Braune

Am 4. November 2019 war der Politikwissenschaftler Andreas Braune von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der "Akademie in der Aula" zu Gast. Sein Vortrag behandelte "Die Weimarer Republik – die Errungenschaften der ersten deutschen Demokratie". Nach einem Überblick über die Entstehung der ersten deutschen Demokratie nach dem 1. Weltkrieg zeichnete Braune die vielfältigen demokratischen, grundrechtlichen und sozialpolitischen Elemente nach, die in der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 festgelegt wurden. Dies waren insbesondere die Volkssouveränität und das Republikprinzip, das Frauenwahlrecht und die grundsätzliche Gleichberechtigung der Frauen, die Demokratisierung des Föderalismus, vielfältige direktdemokratische Mechanismen, der Ausbau der liberalen, wirtschaftlichen und sozialen Grundrechte sowie die Staatsaufgabe der Bildung demokratischer Staatsbürger, die u.a. auch die Förderung der Volkshochschulen beinhaltete. Anschließend arbeitete der Referent heraus, dass die meisten dieser Elemente und einige weitere Institutionen (wie etwa die damalige "Reichszentrale für Heimatdienst", heute: Bundeszentrale für Politische Bildung) durch die Bundesrepublik ab 1949 weitergeführt bzw. ausgebaut wurden. Wie auch in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, hat unsere heutige Demokratie der Weimarer Republik also weit mehr zu verdanken, als man lange geglaubt hat.


2. September 2019: Prof. Dr. Katrin Großmann

Die an der Fachhochschule Erfurt lehrende Soziologin Katrin Großmann eröffnete am 2. September 2019 unsere "Akademie in der Aula". Thema ihres Vortrages: "Schrumpfende Städte in Thüringen: Über Trends, Unterschiede und nicht zuletzt über Würde". In ihren Überlegungen stellte Großmann das Phänomen schrumpfender Städte zunächst dem sozialtheoretischen Begriff der Würde gegenüber. Dabei erläuterte sie, wie sich der in aller Regel negativ geführte Schrumpfungsdiskurs negativ auf die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Städte auswirkt. Anschließend zeichnete sie das Phänomen schrumpfender Städte im internationalen Vergleich nach. In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich, dass aufgrund der starken staatlichen und kommunalen Strukturen in Deutschland hiesige Städte – wie etwa Altenburg – von Schrumpfungsprozessen wesentlich schwächer getroffen werden als beispielsweise Städte wie Detroit in den USA. Zentrale These ihres Vortrags: "Das Problem des Schrumpfens wird global ausgelöst, muss aber lokal bearbeitet werden." Vor diesem Hintergrund kam Großmann im Anschluss an ihre Ausführungen mit dem Publikum vor allem über die Frage ins Gespräch, auf welche Weise passende Lösungen in den betroffenen Kommunen gefunden werden können, und welchen Beitrag hierzu eine Stärkung der lokalen Demokratie leisten könnte.