Blog: "Akademie in der Aula"

Herzlich Willkommen auf unserem Blog zu unserer im September 2019 gestartete Vortragsreihe "Akademie in der Aula". Jeden ersten Montag im Monat begrüßen wir Gäste aus Wissenschaft, Journalismus und Literatur in der altehrwürdigen Aula unserer Volkshochschule in Altenburg zu einem Vortrag zu Themen aus Politik, Gesellschaft und Zeitgeschichte mit anschließender Diskussion. Hier dokumentieren wir alle bislang gehaltenen Vorträge.
 


13. Januar 2020: Dr. Frank Britsche

Am 13. Januar 2020 besuchte der Historiker Frank Britsche von der Universität Leipzig die „Akademie in der Aula“. Thema seines Vortrages: „Aufbruch zur Demokratie vor 30 Jahren – heutiges Erinnern an ‚1989‘“. Mit einem Fokus auf die Stadt Leipzig ging Britsche der Frage nach, wie die Ereignisse des „Wendeherbsts“ seither öffentlich erinnert werden. Nach einer kurzen Darstellung der Montagsdemonstration vom 9. Oktober zeigte Frank Britsche auf, wie diese Demonstration bereits im November/Dezember 1989 als „Tag der Entscheidung“ wahrgenommenen wurde. Er machte zudem darauf aufmerksam, dass der heute geläufige Begriff der „Friedlichen Revolution“ sich erst im Laufe der 1990er Jahre als Bezeichnung der Ereignisse von 1989 durchsetzte und damit eben auch eine bestimmte Interpretation für das öffentliche Erinnern vorherrschend wurde. Sodann zeichnete Britsche nach, wie die Stadt Leipzig über verschiedene Stationen – Bürgerfeste in den 1990er Jahren, die „Rede zur Demokratie“ seit 2001 und das schließlich seit 2009 gefeierte (und in jüngster Zeit zunehmend umstrittene) „Lichtfest“ – den 9. Oktober als zentralen Festtag des Erinnerns erfolgreich etablierte. In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere drei Fragen kontrovers debattiert: Was soll eigentlich erinnert werden? Wer entscheidet, was öffentlich erinnert wird? Und: Wie soll Geschichte inszeniert werden?


6. Januar 2020: Dr. Norbert Aust

Zum Beginn des Jahres 2020 war am 6. Januar Norbert Aust vom Informationsnetzwerk Homöopathie in der „Akademie in der Aula“ zu Gast. Unter den Stichworten „Lehre, Überzeugung, Evidenz“ gab er einen kritischen Einblick in die Lehre der Homöopathie. So stellte er dar, wie homöopathische Arzneimittel hergestellt werden und dass diese aufgrund der starken Verdünnung (der sogenannten „Potenzierung“) zumeist keinen nachweisbaren Wirkstoff enthalten. Anschließend zeigte er den historischen Entstehungszusammenhang der Homöopathie auf und legte dar, dass diese Lehre zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem deswegen erfolgreich war, weil sie im Gegensatz zu den Standardmethoden der damaligen Medizin keine zusätzlichen Schäden bei den Patienten verursachte. Schließlich führte Norbert Aust aus, dass es keinerlei wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel gibt. Als gefährlich stufte er die Homöopathie schließlich ein, wenn sie zur Behandlung ernsthafter Erkrankungen wie bspw. Krebs und AIDS oder als Ersatz für Impfungen eingesetzt wird. In der anschließenden Diskussion stellte sich Norbert Aust den zahlreichen kritischen Fragen des Publikums, in denen zum Teil sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Homöopathie sichtbar wurden.


2. Dezember 2019: Harald Mohr

Der Erfurter Fernsehjournalist Harald Mohr besuchte am 2. Dezember 2019 die "Akademie in der Aula". In einem sehr diskursiv gestalteten Vortrag ging er der Frage nach: "Kann Demokratie auf Journalismus verzichten?" Anhand seiner eigenen Tätigkeit für das Thüringen Journal des Mitteldeutschen Rundfunks gab Mohr einen umfassenden Einblick in die Arbeit von Fernsehjournalisten, die Entstehung journalistischer TV-Beiträge, die Kosten der journalistischen Arbeit und die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Zudem ging er auf die Mediennutzung in Deutschland ein, bei der trotz der starken Zunahme von Online-Medien wie Nachrichtenwebsites und "Social Media" das Fernsehen weiterhin das am meisten genutzte Massenmedium ist. In einer sehr intensiven Diskussion mit dem Publikum wurden zahlreiche Fragen besprochen. Unter anderem wurde die Bedeutung des regionalen und lokalen Fernsehens für die Demokratie diskutiert sowie eingehend auf die Krise des Printjournalismus eingegangen. So erläuterte Harald Mohr die immer schwierigeren Arbeitsbedingungen lokaler Zeitungsjournalisten, die naturgemäß erhebliche negative Folgen auf die Qualität ihrer Arbeit hätten. Angesichts der weiterhin sinkenden Auflagen bei gleichzeitig steigenden Vertriebskosten wagte er schließlich die Prognose, dass es innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einem "Crash" zahlreicher Printmedien in Deutschland kommen werde.


4. November 2019: Dr. Andreas Braune

Am 4. November 2019 war der Politikwissenschaftler Andreas Braune von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der "Akademie in der Aula" zu Gast. Sein Vortrag behandelte "Die Weimarer Republik – die Errungenschaften der ersten deutschen Demokratie". Nach einem Überblick über die Entstehung der ersten deutschen Demokratie nach dem 1. Weltkrieg zeichnete Braune die vielfältigen demokratischen, grundrechtlichen und sozialpolitischen Elemente nach, die in der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 festgelegt wurden. Dies waren insbesondere die Volkssouveränität und das Republikprinzip, das Frauenwahlrecht und die grundsätzliche Gleichberechtigung der Frauen, die Demokratisierung des Föderalismus, vielfältige direktdemokratische Mechanismen, der Ausbau der liberalen, wirtschaftlichen und sozialen Grundrechte sowie die Staatsaufgabe der Bildung demokratischer Staatsbürger, die u.a. auch die Förderung der Volkshochschulen beinhaltete. Anschließend arbeitete der Referent heraus, dass die meisten dieser Elemente und einige weitere Institutionen (wie etwa die damalige "Reichszentrale für Heimatdienst", heute: Bundeszentrale für Politische Bildung) durch die Bundesrepublik ab 1949 weitergeführt bzw. ausgebaut wurden. Wie auch in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, hat unsere heutige Demokratie der Weimarer Republik also weit mehr zu verdanken, als man lange geglaubt hat.


2. September 2019: Prof. Dr. Katrin Großmann

Die an der Fachhochschule Erfurt lehrende Soziologin Katrin Großmann eröffnete am 2. September 2019 unsere "Akademie in der Aula". Thema ihres Vortrages: "Schrumpfende Städte in Thüringen: Über Trends, Unterschiede und nicht zuletzt über Würde". In ihren Überlegungen stellte Großmann das Phänomen schrumpfender Städte zunächst dem sozialtheoretischen Begriff der Würde gegenüber. Dabei erläuterte sie, wie sich der in aller Regel negativ geführte Schrumpfungsdiskurs negativ auf die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Städte auswirkt. Anschließend zeichnete sie das Phänomen schrumpfender Städte im internationalen Vergleich nach. In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich, dass aufgrund der starken staatlichen und kommunalen Strukturen in Deutschland hiesige Städte – wie etwa Altenburg – von Schrumpfungsprozessen wesentlich schwächer getroffen werden als beispielsweise Städte wie Detroit in den USA. Zentrale These ihres Vortrags: "Das Problem des Schrumpfens wird global ausgelöst, muss aber lokal bearbeitet werden." Vor diesem Hintergrund kam Großmann im Anschluss an ihre Ausführungen mit dem Publikum vor allem über die Frage ins Gespräch, auf welche Weise passende Lösungen in den betroffenen Kommunen gefunden werden können, und welchen Beitrag hierzu eine Stärkung der lokalen Demokratie leisten könnte.